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Buchvorstellung: Borgward – der Mann hinter der Marke

17 August, 2010

Auch fast 50 Jahre nach dem Zusammenbruch des Bremer Autoimperiums ist Borgward nicht vergessen. Bis heute ist die Marke von einem Mythos umgeben, und um ihr Ende ranken sich immer noch Legenden. Dem Unternehmer und weniger den Autos widmet sich „Carl F.W. Borgward“ von Birgid Hanke.

Die Autorin versucht, Antworten auf die Frage zu finden, wer dieser Mann war und warum er letztendlich gescheitert ist.
Es war vor allem das Streben nach Unabhängigkeit, das Carl Friedrich Wilhelm Borgward zeitlebens davon abhielt, sich mit starken Partnern zu verbünden, Der Selfmademann wollte stets die alleinige Kontrolle über sein Unternehmen mit den drei Marken Borgward, (Hansa-) Lloyd und Goliath behalten. Als er sie schließlich Ende der 1950er-Jahre immer mehr verlor, war es für Einsicht zu spät. Der letzte von drei Krediten des Bremer Senats wurde Anfang 1961 schließlich nicht mehr ausgezahlt, und der damals 70-Jährige musste seine Firma verloren geben. Bis heute hält sich die Dolchstoßlegende, dass die Rettung von Borgward nicht zuletzt an BMW scheiterte.

Hanke geht immer wieder kritisch mit der Quellenlage um und stellt viele Geschichten als Legendenbildung in Frage. Aussagen von Zeitzeugen bewertet sie kritisch und weist stets auf Widersprüche hin. Häufig geht die Autorin auch näher auf berufliche Wegbegleiter Borgwards ein und stellt die Unternehmensgeschichte in den Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Ausführlich widmet sich das Buch dabei der Einstellung des Unternehmers zum Nationalsozialismus und seiner Entnazifizierung .

Den Grundstein für seinen Aufstieg legte Carl Friedrich Wilhelm Borgward 1920 mit einer Kühlerfabrik. Vier Jahre später folgte mit dem „Blitzkarren“ das erste Fahrzeug. Der dreirädrige Lastentransporter wurde als „Goliath“ zum Erfolgsmotor und ermöglichte 1932 die Übernahme der benachbarten Hansa-Lloyd-Autowerke. Ende der 1950er-Jahre sorgten nach kometenhaftem Wiederaufstieg in den Nachkriegsjahren mehrere Faktoren für eine Schieflage des unabhängigen Autobauers, an dessen Schicksal 20 000 Arbeitsplätze hingen: das spezifische Borgwardsche Finanzsystem, der Exporteinbruch beim Modell Isabella, der unausgereift auf den Markt gebrachte Lloyd Arabella (im Volksmund rasch als „Aquabella“ verschrien) und die geringe Nachfrage nach dem Oberklassemodell Borgward P 100.

Am 4. Februar 1961 übergab Carl Friedrich Wilhelm Borgward schließlich entschädigungslos sein Unternehmen an den Senat der Hansestadt Bremen. Mit jenem Schritt endet das Buch von Birgid Hanke unerwartet abrupt. Der Konkurs des Konzerns nur wenig Monate später und der Tod Borgwards im Juli 1963 finden sich nur noch im tabellarischen Lebenslauf auf der allerletzten Seite im Anhang wieder. Hier hätte der Leser noch ein paar Zeilen mehr erwartet.

„Carl F.W. Borgward – Unternehmer und Autokonstrukteur“ von Birgid Hanke ist im Delius-Klasing-Verlag erschienen, hat 192 Seiten mit 148 Schwarz-Weiß-Fotos und neun farbigen Abbildungen. Das Buch kostet 22,90 Euro. automedienportal/jri

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