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Kriminalstatistik 2008

20 April, 2009

Deutlicher Rückgang beim Diebstahl rund um das KFZ

Innenminister Herrmann stellt Kriminalstatistik des Jahres 2008 vor: "Offene Grenzen in Europa - Bayern bleibt sicherstes Bundesland"
Die Kriminalitätsbelastung ist im Jahr 2008 erneut gesunken. In Bayern wurden im bundesweiten Vergleich die wenigsten Straftaten und die höchste Aufklärungsquote registriert. "Wir haben mit 5203 Straftaten auf hunderttausend Einwohner im bundesweiten Vergleich die niedrigste Häufigkeitszahl. Mit 651.436 angezeigten Straftaten messen wir einen Rückgang von gut zwei Prozent. Die Aufklärungsquote konnte dabei nochmals leicht auf 64,7 Prozent gesteigert werden. In Bayern werden also knapp zwei Drittel aller registrierten Straftaten geklärt. Dies ist ein absoluter Spitzenwert in Deutschland", führt Innenminister Joachim Herrmann aus und fährt fort: "In Bayern lebt man sicherer als anderswo!"

Herrmann hält es für besonders bemerkenswert, dass Dank der hervorragenden Arbeit der Sicherheitsbehörden die Kriminalitätsbelastung für die Bürgerinnen und Bürger in Bayern trotz der Mehrbelastung der Polizei durch die "heiße Phase" der weit reichenden Organisationsreform weiter gesunken sei. Die absolute Zahl registrierter Straftaten habe im vergangenen Jahr um mehr als 15.000 Delikte und damit um gut zwei Prozent abgenommen. Damit liege die Kriminalitätshäufigkeitszahl, das ist die Zahl der Straftaten pro 100000 Einwohner, bei 5203, 2,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. "Das ist ein herausragendes Ergebnis und der niedrigste Wert seit 17 Jahren im Freistaat", so Herrmann.

Herrmann hob heraus, dass sich der intensive Einsatz der Bayerischen Polizei im grenznahen Raum zu Tschechien sehr positiv ausgewirkt hätte. Die Kriminalität sei im Jahr 2008 um 3,5 Prozent gesunken. Vor allem die Eigentumskriminalität, traditionell ein Aktionsfeld international agierender Straftäter und Banden, sei dort stark zurückgegangen. Dies gelte besonders für Diebstähle rund um das Kraftfahrzeug und für Einbruchdiebstähle aus Wohnungen und Firmenräumen. "Wir haben unser erklärtes Ziel, dass ein Mehr an Freiheit nicht zu einem Weniger an Sicherheit führen darf, im Jahr 2008 erreicht. Durch intensive polizeiliche Maßnahmen in zwei Fahndungsgürteln und die Schleierfahndung im grenznahen Raum bleibt Bayern auch nach dem Wegfall stationärer Grenzkontrollen sicher", so Herrmann.

Bayernweit hat die Eigentumskriminalität seit Einführung der Kriminalstatistik den größten Anteil bei den angezeigten Delikten. Der positive Trend sei aber auch hier zu erkennen. Mehr als 9.000 Fälle weniger führten zu einem Rückgang von gut vier Prozent. Erfreulich sei, dass es auch einen deutlichen Rückgang beim Diebstahl rund um das KFZ gab. Vor allem die Diebstähle von Navigationsgeräten seien im Berichtsjahr 2008 erstmals rückläufig. Herrmann: "Ich betrachte dies als ein Zeichen dafür, dass die technischen Sicherungsmaßnahmen der Automobilindustrie immer besser greifen, aber auch unsere intensiven Fahndungsmaßnahmen Erfolg zeigen". Sorge bereitet Herrmann die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen. Es gebe hier ein Plus um mehr als 12 Prozent. Der Anstieg von 22 Prozent bei den Tageswohnungseinbrüchen in der Zeit zwischen 6:00 und 21:00 Uhr gebe zur Sorge Anlass. "Wir werden die bereits eingeleiteten Maßnahmen über unsere kriminalpolizeilichen Beratungsstellen weiter vorantreiben und daneben zielgerichtete Fahndungsmaßnahmen ergreifen, um im Jahr 2009 in diesem besonders sensiblen Bereichen eine Trendwende zu schaffen", kündigte Herrmann an.

Die Bayerische Polizei setzt erneut einen Schwerpunkt bei der Straßen- und Gewaltkriminalität. "Gerade öffentlich wahrnehmbare Straftaten wie Straßenraub, Straßendiebstahl oder Körperverletzungen beunruhigen die Menschen besonders. Deshalb werden wir hier trotz einer insgesamt positiven Entwicklung auch im Jahr 2009 erneut einen Schwerpunkt setzen", so Herrmann. Die Straßenkriminalität sei um gut drei Prozent zurückgegangen. Beim Straßenraub sei ein Rückgang um fast 11 Prozent und beim Straßendiebstahl um circa acht Prozent zu beobachten. Die Gewaltkriminalität habe zwar mit rund 21.000 Delikten "nur" einen Anteil von gut drei Prozent an den Gesamtstraftaten und zum dritten Mal in Folge sei hier ein Rückgang zu verzeichnen, aber mehr als 80 Prozent der registrierten Gewaltdelikte seien gefährliche und schwere Körperverletzungen, die häufig auf offener Straße passierten. "Unser Maßnahmenpaket gegen die Gewaltkriminalität greift. Dies zeigt die hohe Aufklärungsquote von weit über 80 Prozent. Das ist ein wichtiger Abschreckungs- und damit Präventionsansatz", sagte Herrmann. "Gewalttäter in Bayern müssen davon ausgehen, schnell gefasst und verurteilt zu werden", so Herrmann. Gleichwohl beunruhige ihn die hohe Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft und der Umstand, dass immer mehr Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss stünden. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dem zunehmenden Missbrauch von Alkohol, vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden, zu begegnen. Wir brauchen hier einen gesellschaftlichen Konsens und müssen die Suchtprävention weiter forcieren. Daneben werden wir bei Jugendschutzkontrollen in enger Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familienhilfe unter Nutzung aller rechtlichen Möglichkeiten konsequent gegen Alkoholmissbrauch vorgehen". Bei Gewaltdelikten seien deutlich mehr als ein Drittel der Tatverdächtigen, bei Heranwachsenden sogar mehr als die Hälfte alkoholisiert gewesen. Seit 1996 habe sich dieser Wert dramatisch verschlechtert.

Jeder vierte Tatverdächtige in Bayern ist unter 21 Jahren. Mit 79.818 Tatverdächtigen ist ein leichter Rückgang um gut ein Prozent zu verzeichnen. Knapp ein Drittel ist als Mehrfachtäter registriert. Das bedeute, dass weniger als ein halbes Prozent der Jugendlichen und Heranwachsenden 20 oder mehr Straftaten begangen hätten. "Mit unserem landesweiten Intensivtäterkonzept gelingt es uns immer besser, minderjährige Intensivtäter frühzeitig zu erkennen und dadurch kriminelle Karrieren rasch zu beenden. Unser Ziel ist, aus jugendlichen Intensivtätern von heute keine Berufskriminellen von morgen werden zu lassen. Dies bleibt auch weiterhin ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir setzen hierbei auf personenorientierte Ermittlungen, in der Regel ein- und desselben Ermittlungsbeamten sowie ein umfassendes Maßnahmenbündel durch polizeiliche Jugend- und Schulverbindungsbeamte und notwendige Erziehungsgespräche".

Die Anzahl der Straftaten an Schulen sei leicht gestiegen und die Gewaltkriminalität, vorwiegend einfache und gefährliche Körperverletzungen, stagniere auf einem hohen Niveau. "Wir pflegen mit den Schulämtern und Schulleitern einen sehr engen und vertrauensvollen Kontakt und setzen auf ein enges Netz der Erziehung und Prävention durch Lehrer, schulpsychologischen Dienst und die Polizei".

Herrmann betonte, dass die Sicherheitsbehörden nicht erst seit dem jüngsten Amoklauf in Winnenden, sondern bereits seit vielen Jahren die Situation an den Schulen sehr aufmerksam beobachtet würden. "Wir stehen in engem Kontakt mit den Schulen und haben nach einem bayernweiten Rahmenplan individuelle Notfallmaßnahmen in enger Kooperation mit den Schulen erarbeitet. Diese Konzepte überprüfen wir fortlaufend und passen sie bei Bedarf auch an", so Herrmann. Er betonte aber auch, dass die Bayerische Staatsregierung sich derzeit mit der Prüfung waffenrechtlicher Vorschriften und der Medienkompetenz von Jugendlichen und ihren Eltern beschäftige. "Wir brauchen möglichst schnell ein europäisches elektronisches Waffenregister, um damit mittelfristig die Anzahl illegaler Waffen auf dem Markt einzuschränken. In Deutschland sollte dieses Register schon bis 2012 verwirklicht werden. Daneben halte ich die biometrische Sicherung von Waffen gegen Missbrauch durch Unbefugte für sinnvoll". Zum Thema Killerspiele bekräftigte Herrmann seinen Standpunkt: "Wir brauchen einen breiten Konsens in der Gesellschaft, dass extrem Gewalt verherrlichende Spiele kein Zeitvertreib für unsere Kinder sind". Solche Produkte müssten durch wirkungsvolle Vorschriften für Jugendliche unzugänglich gemacht werden.

Herrmann betonte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik, dass ihm die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) und der organisierten Bandenkriminalität sehr wichtig sei. "Diese Gruppierungen weisen eine hohe Sozialschädlichkeit auf und verüben ihre Straftaten ohne Rücksicht auf ihr Umfeld und in Menschen verachtender Weise bei hohem Abschottungsverhalten. Neben einer konsequenten Strafverfolgung setzen wir auf das Instrument der Vermögensabschöpfung, um den Berufskriminellen den Gewinn zu entziehen und ihnen dadurch die logistische Grundlage zu zerstören", so Herrmann. Im Jahr 2008 führte die Bayerische Polizei 64 Ermittlungsverfahren und tätigte dabei 204 Festnahmen. Es wurden Vermögenswerte von rund 55 Millionen Euro vorläufig gesichert. "Wir haben im Rahmen der Organisationsreform der Bayerischen Polizei drei zusätzliche Dienststellen der Kriminalpolizei zur Bekämpfung der OK und Bandenkriminalität eingerichtet und sind damit für die Zukunft gut aufgestellt", sagte Herrmann.

Bei der Bilanz des Deliktsfeldes der Sexualstraftaten ging Herrmann auf das im Jahr 2006 eingeführte bayerische Erfolgsmodell "HEADS" (Haft-Entlassenen-Auskunfts-Datei-Sexualstraftäter) ein. "Wir haben damit ein wirkungsvolles Instrument zum Umgang mit entlassenen rückfallgefährdeten Sexualstraftätern entwickelt. Wir knüpfen mit HEADS ein dichtes Netz um die Personen und leisten damit erfolgreiche Präventionsarbeit". Gerade der Fall des Ende Februar 2009 aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters Karl D. zeige, wie wichtig ein stimmiges Konzept sei. Durch die frühzeitige Information waren sowohl die bayerischen als auch die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden gut vorbereitet und konnten ein abgestimmtes Maßnahmenkonzept anwenden.

Herrmann stellte abschließend fest, dass er in der Inneren Sicherheit ein "soziales Grundrecht" sehe. Sicherheit sei Grundlage für eine hohe Lebensqualität in Bayern und auch als Standortfaktor für Investitionen in neue Arbeitsplätze von außerordentlich hohem Stellenwert. "Ich bedanke mich für die hervorragende Arbeit der Bayerischen Polizei. Diese ist ein Garant dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger bei hoher Lebensqualität in Bayern wohlfühlen und sicher leben und arbeiten können."

Die Statistik mit weiteren Zahlen ist im Internet unter http://www.stmi.bayern.de/sicherheit/innere/kriminalstatistik/ abrufbar.

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