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Spurenwechsel

14 April, 2009

Doppelte Rückschaupflicht beim Spurenwechsel

Buchstäblich von allen guten Geistern verlassen ist ein Autofahrer, der sich beim Wechsel in die linke Fahrspur allein auf den Blick in seinen Rückspiegel verlässt. Denn die Verkehrsordnung schreibt bindend vor, dass sich der Fahrzeugführer unmittelbar vor dem Ausscheren nach links zusätzlich nach hinten umzudrehen habe. Wer dieser "doppelten Rückschaupflicht" nicht nachkommt, muss im Falle eines Unfalls die volle Schadenssumme selbst tragen, hat in einem aktuellen Urteil das Landgericht Coburg entschieden (Az. 11 O 590/08).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.anwaltshotline.de) berichtet, war die betroffene Kraftfahrerin in einer Autobahnbaustelle mit einem Krankenwagen zusammengestoßen. Der war im Noteinsatz unterwegs und kam mit eingeschaltetem Martinshorn und Blaulicht hinter der Frau herangerast. Was sie allerdings nicht bemerkte und deshalb glaubte, ein vor ihr seine Fahrt deutlich verlangsamender und so weit wie möglich nach rechts rüberziehender Pkw würde ihr das Überholen erleichtern wollen. Sie gab Gas und scherte nach links aus - ohne sich dabei noch einmal zur Seite umzusehen. Für die ihrer Meinung nach unausweichliche Kollision unterstellte die Frau dem Fahrer des offenbar nicht vorsichtig genug gefahrenen Krankenwagens eine Mitschuld von 50 Prozent. Womit sich die Richter allerdings nicht einverstanden erklärten. Das mit deutlichem Sondersignal fahrende "Wegerechtsfahrzeug" hatte Anspruch auf "freie Bahn". "Hätte die Frau sich, wie vorgeschrieben, nach hinten umgeschaut, wäre ihr der heranrasende Krankenwagen mit Sicherheit aufgefallen - wie dem Pkw vor ihr ja auch", erklärt Rechtsanwalt Stefan Specks (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Da sie nach Zeugenaussagen beim Ausscheren ihres Wagens nicht einmal den Blinker betätigte, hatte der Rettungsfahrer keinerlei Einflussmöglichkeit auf das Geschehen. Die Frau bzw. deren Kfz Versicherung muss für den gesamten Schaden alleine aufkommen.

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