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Goslar Diskurs: Selbstfahrende Pkw und ihre Folgen

16 Juni, 2016

Wer trägt die Schuld, wenn ein selbstfahrender Pkw einen Unfall verursacht - und wer muss diesen Fall der

Fälle finanziell absichern?
Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Versicherungen, wo doch die selbstfahrenden Autos eigentlich die Unfallzahlen gegen Null bringen sollen? Und: Wie lange wird es denn überhaupt noch dauern, bis Autos ohne Lenkrad ausgeliefert werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Experten am Diskussions-Abend "Goslar Diskurs" am Rande des Verkehrsgerichtstags.
Der Weg vom heutigen teilassistierten zum hochautomatisierten Fahren ist noch lang, so Bosch-Bereichsvorstand Gerhard Steiger. Seine Prognose: Bereits ab Anfang des nächsten Jahrzehnts werden Autos von einer Autobahn-Einfahrt bis zur gewünschten Ausfahrt autonom fahren - ein erster Schritt. Der komplett selbstfahrende Pkw, das Tesla-Chef Elon Musk bereits 2018 anbieten will, sieht Steiger frühestens Mitte, eher aber Ende der nächsten Dekade auf uns zurollen.
Auto-Publizist Guido Reinking warnt die Industrie in diesem Zusammenhang vor allzu großer Eile: Der erste Unfall eines komplett autonomen Autos werde für einen gewaltigen Image-Schaden sorgen. Zumindest die Infrastruktur für die Assistenzsysteme und die Vernetzung von Auto zu Auto ist nach Ansicht des Datenschutz-Experten Werner Hülsmann kein Problem. Auf weiten Teilen der Autobahnen seien Kapazität und Tempo der Netze bereits ausreichend, das Tempo beim Schließen von Lücken werde schlicht von den Marktmöglichkeiten bestimmt: Bei entsprechender Nachfrage und guten Umsatz-Chancen gehe das sehr flink.
Eine der großen Hoffnungen im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren ist die auf drastisch sinkende Unfallzahlen, letztlich auf null Verkehrstote. Klingt eigentlich logisch angesichts der Tatsache, dass derzeit rund 90 Prozent der Unfälle von Menschen verursacht werden. Doch HUK Coburg-Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Heitmann dämpfte zu große Erwartungen. Das hochgelobte Google-Auto fahre in Sachen Unfallhäufigkeit derzeit noch schlechter als der durchschnittliche deutsche Autofahrer. Und: Die wenigsten Unfälle gebe es auf der Autobahn, dem Ersteinsatzgebiet der "Autonomen", die meisten in der Stadt. Heitmann jedenfalls rechnet mit sehr langfristigen Veränderungen beim derzeit stagnierenden Rückgang der Unfallzahlen.
Grundlegend verändern wird sich angesichts immer intelligenterer Autos die Frage der Haftung bei Unfällen Während Heitmann eine Lanze für die Halterhaftung bricht und sie als die beste Variante im Sinne der Unfallopfer bezeichnet, verweist Anwalt Thomas Funke auf laufende Gesetzgebungsverfahren, nach denen das Übertragen der Fahrzeugführung auf den Computer keine Fahrlässigkeit sein soll - das würde ganz klar eine Verlagerung der Verantwortung auf den Hersteller oder den Importeur bedeuten.
"Daten sind das neue Gold, jetzt ist der Streit um die Schürfrechte entbrannt!" So skizzierte Auto-Experte Reinking die aktuelle Diskussion um die Frage, wem die von modernen Autos in Massen generierten Daten denn nun eigentlich gehörten, und wer sie nutzen dürfe. Versicherungen sind natürlich besonders erpicht darauf, über das Fahrverhalten und die Fahrziele ihrer Kunden informiert zu sein. So will die HUK Coburg laut Klaus-Jürgen Heitmann in Kürze einen auf diesen Informationen basierenden Tarif für Fahranfänger anbieten - zum günstigen Spezialtarif.
Das Problem: Derzeit müssen die Versicherer noch eine eigene Datenerfassungs-Box installieren, weil die Hersteller sie nicht an die Bord-Daten heranlassen wollen. Anwalt Funke bezeichnet den momentanen Stand als "Wild-West-Phase - es gilt das Recht des Stärkeren". Derzeit gebe es überhaupt noch kein Eigentumsrecht an den selbst produzierten Daten, sondern nur eines an Datenträgern. "Es wird Zeit, dass wir anfangen, das zu regeln", so der Jurist.
Rudolf Huber/mid mid/rhu

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