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Kundensport für Gewinnertypen mit dem Blitz

29 Mai, 2016

Motorsport ist mehr als das Milliarden-Marketing-Spektakel der Formel 1. Denn er war schon immer auch eine persönliche Sache - für Teams, Techniker, Fahrer, Charakterfiguren und mitunter große Unternehmen, die im Hintergrund agieren und unterstützen. Nicht mit Hunderten von Millionen Euro, aber mit Know-How und mit Rennwagen, die sich kaufen lassen. Das heißt Kundensport und da ist Opel jetzt wieder auf der etwas größeren Rundstrecken-Bühne dabei.

2016 startet die neue Touring Car Racer Series, kurz TCR, in ihr zweites Jahr. Und sie bringt beste Voraussetzungen mit, um im Rennen um die Gunst eines verwöhnten Publikums ganz vorne mitzumischen. Denn die Renngeräte sind dem äußeren Anschein nach alles Autos aus den großen Jedermann-Klassen: In diesem Jahr sind VW Golf, Seat Leon, Honda Civic, Alfa Giulietta, Subaru und eben der Opel Astra in der ADAC TCR Germany an sieben Rennterminen auf fünf Rennstrecken in Deutschland unterwegs. Zweimal geht es nach Oschersleben, weitere Austragungsorte sind der Sachsenring, der Nürburgring und Hockenheim für das große Finale.
Je einmal fahren die Renner auf dem Red Bull Ring in Spielberg in Österreich und in Zandvoort in den Niederlanden. In der TCR International 2016 stehen nach Sakhir in Bahrain und Estoril in Portugal noch neun Rennen an, von Spa in Belgien über Monza in Italien bis zu Buriram in Thailand und dem Saison-Abschluss in Macau. Insgesamt sieben Opel Astra TCR werden vom italienischen Team Target Competition in die Rennen geschickt, vier davon sind auch für die deutsche ADAC TCR eingeplant.
Die in Andrian bei Bozen in Südtirol sitzende Rennunternehmung hat sich bei Opel mit einer erstklassigen Empfehlung eingeführt: Target Competition hat 2015 mit dem schweizerischen Rennfahrer Stefano Comini den Fahrer- sowie Team-Titel der TCR International Series eingefahren. Mit professioneller Arbeit und ehrgeizig-fähigen Fahrern will das Team auch 2016 für die nötigen Erfolge sorgen.
Und dafür hat Opel nach dem strengen Reglement sein Astra-Renngerät aufgebaut. Für Jörg Schrott, Motorsportdirektor bei Opel, "passt diese Art von Motorsport sehr gut zur Marke Opel". Nach Einschätzung von Sport-Insidern bietet die TCR-Serie mehrere Vorteile: Die Fahrzeuge kommen aus der großen Serienproduktion von Volumenproduzenten, das sichert günstigere Entwicklungs- und Unterhaltskosten; sie sind in der Leistung und im Auftritt den Serienvorgaben noch sehr nahe und sie schaffen damit gute Voraussetzungen für die Fans, sich mit Marke und Typ zu identifizieren. Zudem sorgen im Hintergrund erfahrene Techniker und Service-Crews für die bestmögliche Leistung der Renngeräte. Dafür arbeitet das auch an der Astra-TCR-Entwicklung beteiligte Team Kissling, ein bewährter Partner für Opel Motorsport.
Aktuell ist Opel damit in drei Wettbewerben engagiert. Die Marke mit dem Blitz baut den Adam Cup als Markenpokal-Renner mit 140 PS und den ADAM R2 mit 190 PS für diverse Rallye-Privatteams sowie den Werkseinsatz in der Junior-EM. Mit Blick auf die TCR-Serie ist Jörg Schrott sicher: "Opel steht dahinter, und wir verlieren bei dieser Aktion kein Geld." Unter dem Stichwort "Kundensport" verbucht der Motorsport-Chef auch die Eindämmung und Überschaubarkeit der Kosten für die Teams, nicht nur für die Rennwagen, sondern auch für Unterhalt und Betrieb.
O-Ton Schrott: "Deshalb ist es wichtig, dass TCR-Kundensport bleibt und die Kosten für die Teams kalkulierbar bleiben." In diesem Sinn verkauft der Volumenhersteller den Astra TCR für jeweils etwa 110.000 Euro, gerechnet mit der in Deutschland fälligen Umsatzsteuer. Das ist viel Geld für ein Auto mit nur einem einzigen, unbequemen Sitzplatz, aber ein angemessener Tarif für ein Renngerät mit guten Erfolgschancen. Bis zum Jahr 2017 möchte Opel laut Schrott immerhin rund 30 Astra TCR auf der Rennstrecke haben.
Die Idee vom (relativ) erschwinglichen TCR-Kundensport wird durch das Reglement definiert und gestützt. Zum Beispiel werden Leistung und Antriebsart ebenso geregelt wie die Abmessungen der Fahrzeuge. Im Vergleich zum Serien-Pendant der neuesten Astra-Generation legt die TCR-Version in der Breite nur um 14 Zentimeter zu, und Stoßfänger, Kotflügel und Seitenteile durften modifiziert werden. Weil das TCR Car auf dem strömungsgünstigen Astra aufbaut, kommt es in den Genuss einer grundsätzlich guten Windschnittigkeit, die in der Großserie bei cW 0,285 liegt. Im Renneinsatz wirken dann der Frontsplitter und der Heckflügel energisch mit, vor allem zur Stabilisierung der Straßenlage bei Top-Speed und in den schnellen Kurven.
Für Leistung sorgt der aus dem Astra OPC der abgelösten Generation stammende 2,0-Liter-Turbomotor. Er wird auf 243 kW/330 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Nm bei 2.500 bis 4.600/min gebracht. Besonders die weite Spreizung des kräftigen Drehmomentverlaufs macht den TCR-Astra zu einem Sportgerät, das Schnelligkeit, gute Fahrbarkeit und eine geringe Neigung zu divenhaftem Verhalten auszeichnet.
Leer wiegt der im Innenraum nackte Astra TCR knapp 1.200 Kilo, aus dem Stand werden von Insidern Sprintwerte für 0 auf 100 km/h unter 6,0 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit nahe bei 250 km/h erwartet. Geschaltet wird mit einem sequentiellen Getriebe über Paddel am Volant. Die Box übernimmt den Kupplungsvorgang selbsttätig, der Fahrer ruckt das Paddel immer nur um einen Gang rauf oder runter. Überspringen geht nicht, aber ganz schnell von sechs auf zwei zurück, mit automatischem Zwischengas, das ist möglich und vor engen Kurven auch nötig.
Wenn es um konkrete Aussagen zu den realistischen Erfolgserwartungen geht, da wirkt Motorsportchef Schrott noch etwas zurückhaltend. Die anderen hätten noch einen Erfahrungsvorsprung, sagt er und verweist gleichzeitig darauf, dass der Opel Astra gute Chancen habe: "Wir sind selbstbewusst, wissen worum es geht, und dass wir es können." Dann, nach einer kurzen Pause sagt Schrott mit jener Listigkeit, die ihn seit jeher auszeichnet. "Im Motorsport geht es immer ums Gewinnen. Und darum sind wir da mit dabei." Wolfgang Peters/mid mid/wp

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