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Auto-Azubis: Mit kühlem Kopf am "Brennpunkt Manila"

02 Februar, 2016

Gemeinsam für den guten Zweck: In Manila sollen junge Filipinos aus benachteiligten Verhältnissen künftig eine berufliche Perspektive in der Autobranche erhalten.

Spezielle Aktionen, Spenden, Sprachkurse: Bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise fährt die Autobranche in vielen Bereichen mit gutem Beispiel voran. So gibt es kaum einen Hersteller, der sich dieser schwierigen Thematik nicht in irgendeiner Form stellt. Da ist es letztlich auch nebensächlich, dass ein bisschen Eigenwerbung mit im Spiel ist. Was zählt, ist der Einsatz sowie die Absicht zu helfen.
Der ADAC verteilt beispielsweise 160.000 Flyer zur Verkehrssicherheit. Eine gute Idee: Wie sollen sich Menschen aus völlig fremden Ländern im hektischen deutschen Straßenverkehr sicher bewegen, wenn sie weder die Sprache noch die landesspezifischen Verkehrsregeln kennen? Hyundai unterstützt die Flüchtlinge mit einem eigenen Shuttle-Dienst und stellt dem Caritas-Verband einen achtsitzigen Kleinbus des Typs H1-Travel zur Verfügung.
Die Mitarbeiter der Mercedes-Benz Bank greifen gerne mal zu Hammer, Pinsel und Spaten. Gemeinsam mit Flüchtlingen arbeiten die Banker an Bildungs- und Integrationsprojekten. Und in einigen Städten erhalten Flüchtlinge Fahrräder als "Willkommens-Geschenk", dazu gibt es dann noch von der Polizei ein kostenloses Training auf dem Drahtesel. Das sind nur einige aktuelle Beispiele, denn auch Autobauer wie Volkswagen, Opel, BMW, Mazda oder Toyota stellen sich in den Dienst der guten Sache.
Einen Schritt weiter geht Porsche. Der Sportwagenhersteller möchte das Problem nicht nur vor der eigenen Haustür lösen, sonders es gleich bei der Wurzel packen. Aus diesem Grund gibt es das "Training und Recruitment Center Asia" (PTRCA) in Manila. Dort sollen junge Filipinos aus benachteiligten Verhältnissen künftig eine berufliche Perspektive in der Autobranche erhalten.
Ab sofort sind auch die Marken Audi und Volkswagen als Kooperationspartner mit am Start. Gemeinsam soll in diesem Ausbildungsprogramm der Nachwuchs geschult und schließlich rekrutiert werden - vor allem für das Händler-Netzwerk im Mittleren Osten, heißt es. Dank dieser umfangreichen Zusammenarbeit werden jetzt noch mehr Filipinos in das Programm aufgenommen. Statt wie bisher 32 Auszubildende pro Jahrgang werden es jetzt 120 und 2017 dann 145 Jugendliche sein.
Porsche hat nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren zusammen mit lokalen Partnern mehr als 250 junge Menschen zu Kfz-Service-Mechatronikern ausgebildet. Die Idee dahinter: Vor allem in den Wachstumsmärkten des Mittleren Ostens und der Asien-Pazifik-Region werden immer mehr qualifizierte Fachkräfte benötigt. "Die Bewohner der Philippinen verfügen über gute englische Sprachkenntnisse und eine hohe Arbeitsmoral", begründet Michael Drolshagen, Leiter After Sales der Porsche AG.
Die Ausbildung in Manila bleibe in erster Linie ein Rekrutierung-Programm. Aber natürlich sei es für die Marke Porsche auch gelebte gesellschaftliche Verantwortung, betont Michael Drolshagen. Denn mit dem erfolgreichen Abschluss verschaffe man den jungen Menschen nicht nur einen Zugang zum internationalen Arbeitsmarkt: "Vielmehr erhalten sie so eine echte Chance, die eigenen Lebensbedingungen spürbar zu verbessern und auch ihr familiäres Umfeld zu stärken."
Der Erfolg des Ausbildungsprogramms lässt sich laut Porsche auch an einer extrem niedrigen Fluktuations-Quote von weniger als drei Prozent festmachen. Und dies in Regionen, in denen 20 Prozent üblich seien, heißt es. "Damit unterstreichen wir, dass wir als Unternehmen auch immer über den Tellerrand blicken", erklärt Robert Coyiuto Jr., Unternehmer und Inhaber von PGA Cars Inc. in Manila. Das Programm, das man gemeinsam angestoßen habe, sei heute nicht mehr wegzudenken. "Wir sind davon überzeugt, dass unsere Absolventen über unser Ausbildungsprogramm mit hervorragenden Fähigkeiten in die Märkte gehen." Die bisherigen 250 Absolventen des Ausbildungs-Programms verteilen sich auf elf Länder.
"Das Programm hat sich bewährt", sagt Benoit Tiers, Geschäftsführer von Audi Volkswagen Middle East. Die künftige Zusammenarbeit unterstreiche die Stärke des Konzerns, Synergien und Know-how markenübergreifend zu nutzen. "Wir werden uns intensiv einbringen, etwa bei der Lehrer-Fortbildung." In einem Punkt sind sich alle einig: "Junge Menschen haben ein Recht auf Bildung, Ausbildung und Arbeit." Und die berufliche Bildung "Made in Germany" werde weltweit geschätzt, sagen die Experten. Davon profitieren nicht nur junge Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, sondern die gesamte Gesellschaft und die beteiligten Firmen genauso. Und so könnte das "Modell Manila" bald auch in anderen Regionen Schule machen.
Ralf Loweg/mid mid/rlo

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