Aktuelle Auto News
 



Autoberufe - Bald keine Mechatroniker mehr?

17 Juni, 2015

Das Kfz-Gewerbe zählt mit über 90.000 Auszubildende zu den ausbildungsstärksten Branchen im Handwerk. Die Autoberufe haben diese Position im vergangenen Jahr mit vier Prozent mehr neuen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum

Jahr 2013 gefestigt.
Unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft bewegen" suchte der 10. Bundes-Berufsbildungs-Kongress des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Bad Wildungen Wege zur Nachwuchssicherung aufzuzeigen. "Wer sich nicht intensiv um die Ausbildung des Nachwuchses kümmert, verschenkt die Zukunft", sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und kritisierte den Akademisierungswahn in unserer Gesellschaft. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) meinte dazu: "Der Fachkräftemangel in Deutschland wird kein Akademiker-Problem. Es mangelt an Meistern, Facharbeitern, Technikern usw." und kritisierte die verfehlte Bildungspolitik. Das Kfz-Gewerbe zählt mit aktuell über 90.000 Auszubildende zu den ausbildungsstärksten Branchen im Handwerk. Diese Position haben die Autoberufe im vergangenen Jahr mit vier Prozent mehr neuen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Jahr 2013 gefestigt. Im gleichen Zeitraum musste das gesamte Handwerk einen Rückgang bei neuen Verträgen von zwei Prozent hinnehmen.
Doch die Kfz-Betriebe haben immer größere Probleme, ihre Arbeitsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Gründe hierfür sind sinkende Schulabgänger-Zahlen, unklare Berufsvorstellungen bei den Schülern, Vorurteile gegenüber bestimmten Berufen und eine mangelnde Qualifikation vieler Bewerber. Um dem Fachkräftemangel frühzeitig zu begegnen, müssen sich die Kfz-Betriebe verstärkt aktiv um Nachwuchs bemühen.
Entscheidend ist hier die Frage, welche Jugendlichen zum Unternehmen passen. Doch wie ticken die Auszubildenden von morgen? Was motiviert sie im Beruf und welche Wünsche haben sie an ihren Arbeitgeber? Wertvolle Antworten auf diese Fragen gab Peter Martin Thomas vom SINUS-Institut. Er präsentierte das SINUS-Lebensweltmodell u18 mit sieben Clustern - Diese sind:
1. Konservativ-bürgerliche Lebenswelt:
Die familien- und heimatorientierten Bodenständigen mit Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik.
2. Materialistisch-hedonistische Lebenswelt:
Die freizeitorientierte junge Unterschicht mit ausgeprägten markenbewussten Konsumwünschen.
3. Prekäre Lebenswelt:
Die um Orientierung und Teilhabe bemühten Jugendlichen mit schwierigen Startvoraussetzungen und Durchbeißermentaltität.
4. Sozialökologische Lebenswelt:
Die nachhaltigkeits- und gemeinwohlorientierten Jugendlichen mit sozial-kritischer Grundhaltung und Offenheit für alternative Lebensentwürfe.
5. Adaptiv-pragmatische Lebenswelt:
Der leistungs- und familienorientierte moderne Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft.
6. Experimentalistisch-hedonistische Lebenswelt:
Die spaß- und szeneorientierten Nonkonformisten mit Fokus auf Leben im Hier und Jetzt.
7. Expeditive Lebenswelt:
die erfolgs- und lifestyle-orientierten Networker auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen.

Wie schnell sich die Welt für Jugendliche verändert, unterstreichen drei Zahlen rund um die Social Media. Facebook feierte gerade seinen elften und YouTube seinen zehnten Geburtstag. Das iPhone1 ist gerade mal acht Jahre alt. "Jugendliche gehen heute nicht mehr Online, sie gehen nur noch Off-Line." Statt eines Werteverfalls befinden wir uns in einer Welle der Wertevielfalt.
Aus einer Studie im Auftrag der IHK Baden-Württemberg zitierte Thomas:
- Nur noch 24% der Schulabsolventen starten direkt mit einer Ausbildung. Viele machen lieber ein Praktikum, um sich nicht so schnell entscheiden zu müssen.
- Jeder zweite habe Leistungsdruck und Selbstzweifel
- Weiche Faktoren sind wichtiger als Einkommen
- Zwischenmenschliche Faktoren im Unternehmen (Betriebsklima) haben Gewicht.

Wie massiv sich die Welt der Jugendlichen verändert hat, führte Matthias Horx, vom gleichnamigen Zukunftsinstitut in seinem Vortrag "Lernen und Leben in der Zukunft" aus. Neues Lernen erweitere traditionelle Lernformen und -methoden durch digitale und globalisierte Möglichkeiten. Es schaffe neue Netzwerke des Wissens und Lernens. Die jugendliche Affinität zu digitalen Medien treibt diesen Wandel von passiver Wissensaufnahme zu aktiver Wissensgenerierung und -deutung voran. Dabei demonstrierte Horx auch an Beispielen aus Schulen in Skandinavien, wie sehr Deutschland mit seinem klassischen Frontalunterricht den Lebens- und Lerngewohnheiten der jungen Menschen hinterher hinkt.

Welchen Spaß die Autoberufe machen können aber auch wie anspruchsvoll sie sind, machte die Ehrung der Bundessieger im praktischen Leistungswettbewerb des Kfz-Gewerbes deutlich. Ausgezeichnet wurden mit je einem attraktiven Geldpreis erstmals die Automobilkaufleute. Bundessiegerin wurden Sarah Ruhnow und auf Platz Zwei Anna Pahl. Bei den Kfz-Mechatroniker gewann Alexander Lion vor Lukas Mauerhoff und Julien Naumann. Lion vertritt das Deutsche Kfz-Gewerbe bei den World Skills im August in Brasilien. Den Sonderwettbewerb für auszubildende Kfz-Mechatronikerinnen gewann Irina Wohlgemuth, gefolgt von Kiren Renken und Linda Welchner.
Zur Zukunftssicherung der Autoberufe gaben die beiden Vorsitzenden des ZDK-Berufsbildungsausschusses einen Ausbilck. Der Berufswunsch entsteht zu dreiundsiebzig Prozent bereits in der Grundschule. Deshalb erklärte Renè Gravendyk: "Wir wollen in Kindergärten und Grundschulen schon das Thema Auto platzieren ?. Und wir wollen mehr junge Mädchen bewegen, in technische Berufe zu gehen." Und Anselm Lotz führt aus: "Wir müssen Verantwortung übertragen und Signale senden 'wir wollen Euch' - auch Quereinsteiger, Studienabbrecher etc."
Wie die Umsetzung dieser Ideen aussehen wird, stellte Claudia Kefferpütz, Referentin für Nachwuchsförderung in der Abteilung Berufsbildung des ZDK vor. So wird noch dieses Jahr das Grundschul-Magazin "Blinka" ab Klasse 3 erscheinen. Das Magazin soll die Lehrer im Unterricht unterstützen, Leseimpulse geben und gleichzeitig spielerisch das Thema "Auto" vermitteln.

Unter www.autoberufe.de können sich Interessierte über die Attraktivität der Berufe rund um das Auto informieren.
Die Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe trägt ihren Teil zum Sichern der Nachwuchskräfte im Kfz-Gewerbe bei. Direktorin Sylvia Gerl stellt das vierundzwanzig monatige Fernstudium zum zertifizierten Automobilökonom/in (BFC) für Berufstätige vor. Es wird bereits hervorragend angenommen gerade von jungen Menschen, die bereits in beruflicher Verantwortung stehen und im Betrieb nicht abkömmlich sind. Mit diesem Programm wird die BFC einmal mehr ihrem Motto Be fit for Car Business gerecht. Prof. Anita Friedel-Beitz/mid mid/afb
Bildunterschrift: mid Bad Wildungen - Die Gemeinschaftsinitiative Autoberufe spricht über alle Medienkanäle Schulabgänger, Eltern, Lehrer und Ausbilder an.

zurück zu den News             News Archiv


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.




Unsere Highlights