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Quads: Lebensgefahr auf vier Rädern

11 September, 2014

Das Fahren auf Quads ist lebensgefährlich. In einem Crashtest haben die Unfallexperten nachgewiesen, dass diese Fahrzeuge aufgrund technischer Mängel teilweise kaum zu bändigen sind.

Sehr viele Fahrer verlieren die Beherrschung über die Motorräder mit den vier Rädern und kommen von der Straße ab, vor allem in Kurven. "Das Risiko mit einem Quad getötet oder schwer verletzt zu werden, ist 10 mal größer als beim Pkw", warnt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aus Berlin. Mittlerweile gibt es bereits über 150.000 Quads auf deutschen Straßen.
Das Gefährt mit den dicken Reifen für ein bis drei Personen ist schwer zu lenken, bietet keine passive Sicherheit und ist kippgefährdet. Wer mit einem Quad mit etwas höherem Tempo in die Kurve geht, muss damit rechnen, dass das Heck ausbricht. Denn Quads haben in der Regel eine starre Hinterradachse ohne Differenzial. Zudem überschlagen sich die Fahrzeuge schnell, wenn der Fahrer zu stark bremst. "Sie besitzen kein ABS und haben ein sehr leichtes Heck", erläutert Brockmann das Unfallrisiko.
Eine Studie von fast 500 Unfällen durch die UDV zeigt die große Gefahr, die von Quads ausgeht. 85 Prozent der Fahrer sind am Unfall selbst schuld. Dabei schädigt sich der Quad-Fahrer in aller Regel selbst. Während beim Pkw rund 13 Prozent und beim Motorrad rund 17 Prozent aller Fahrer ohne Fremdeinwirkung verunglücken, liegt der Anteil der Alleinunfälle von Quads bei 41 Prozent. Viele Unfälle passieren aus reinem Übermut. Das Quad ist ein Spaßfahrzeug und dient fast ausschließlich dem reinen Freizeitvergnügen. Unfälle mit Quads sind aber relativ schwer. Laut UDV werden etwa doppelt so viele Personen getötet wie bei allen Unfällen mit Personenschaden. "Wenn Paragliding oder Bungee-Jumping so gefährlich wäre, wie das Fahren mit einem Quad, dann wären diese Sportarten längst verboten", kritisiert Unfallforscher Brockmann.
Erst 2016 will die EU nur noch Quads mit Differenzial für den Straßenverkehr zulassen. Das ist nach Meinung der Forscher angesichts der bedrohlichen Unfallbilanz aber viel zu spät. Daher sollten die Hersteller freiwillig schon heute nur noch Quads mit einem solchen Ausgleichsgetriebe anbieten und die Kunden auf dieses Sicherheitsfeature beim Kauf achten. Gleichzeitig fordert der UDV, dass eine dokumentierte Einweisung und Übungsfahrt Pflicht wird, da der Auto- oder Motorradführerschein ungeeignet zum Führen eines Quads sei. "Wer das hohe Unfallrisiko der Quads vor Augen hat, ist dann vielleicht nicht mehr auf der letzten Rille unterwegs", hofft Brockmann.
Quads "tummeln" sich in verschiedenen Fahrzeuggattungen. Es gibt sie als "kleine" Quads mit Versicherungskennzeichen und Führerscheinklasse AM (ab 16 Jahre) oder als "große" Quads mit Zulassung, Auto-Nummernschild und Pkw-Führerschein. Zudem sind schon fast 44 000 als ATV ( All-Terrain-Vehicles) unterwegs. Sie können dann als land- oder forstwirtschaftliche Zugmaschinen mit den Führerscheinklassen L (bis 40 km/h) oder T (bis 60 km/h) bewegt werden. Gerade für diese Art fordern die Forscher, den Spaßfaktor deutlich zu bremsen. "Damit sie wirklich nur für landwirtschaftliche Zwecke eingesetzt werden, sollte ihre Nutzung auf eine bestimmten Radius um den Zulassungsort beschränkt werden", so Brockmann. Und ganz wichtig: Quads und selbst Motorräder würden sich nicht als Geschenk für den Nachwuchs eignen. Brockmann: "Unter Sicherheitsaspekten gehören junge Leute in einen Pkw."
Uwe Schmidt-Kasparek/mid mid/usk

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