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Tempolimits für Wohnwagen in Europa

12 Juli, 2012

Europa uneins mit Tempolimits für Wohnwagen - Für Gespanne gelten unterschiedliche Regeln: Dank moderner Assistenzsysteme dürfen in Deutschland mehr als 80 % der insgesamt

570.000 Caravans auf der Autobahn mittlerweile mit Tempo 100 unterwegs sein. Zumindest bis an die nächste Landesgrenze. Von dort gelten für Gespanne ganz unterschiedliche Regeln. Eine EU-Übersicht von TÜV SÜD und Fahrtipps für die Reise mit dem Wohnwagen.
Schlingerdämpfung, ABS, Stabilisierungseinrichtung: Wer diese Technik an Bord hat, darf hierzulande seit einigen Jahren das mobile Heim auf Tempo 100 beschleunigen. An den meisten Landesgrenzen spielt die technische Ausrüstung bei der Festlegung des Tempolimits aber keine Rolle. In der Schweiz und in Liechtenstein gilt: Wohnwagen einreihen in den Schwerlastverkehr mit maximal Tempo 80! In Österreich darf unter denselben technischen Voraussetzungen wie in Deutschland 100 gefahren werden. Dazu Philip Puls von TÜV SÜD: „Auf jeden Fall vorab über die Tempolimits im Reise- und in den Transitländern informieren! Schneller als 100 Stundenkilometer sollte man mit Gespann dennoch nicht unterwegs sein – auch wenn’s erlaubt ist. Die allermeisten Wohnwagen sind bauartbedingt nur bis 100 Stundenkilometer zugelassen.“
Trotzdem ist in den meisten europäischen Ländern bereits Schluss bei Tempo 80. Das gilt beispielsweise für Italien, Slowenien, Kroatien, Tschechien, Polen, Dänemark und Schweden. Keine Angst vor Tempo mit Tender haben die Franzosen: Mit erlaubten 130 Sachen geht es dort besonders schnell zum nächsten Stellplatz.
Die belgischen Nachbarn lassen die Wohnanhänger mit Tempo 120 durchs Land steuern. Im Mutterland des Caravans ist man wiederum vorsichtiger. Tempolimit für Urlaubsgespanne in den Niederlanden: 90 Stundenkilometer.
Das Fahren mit schwerem Gespann ist alles andere als trivial. Die größten Risiken wie Schlingern oder Ausbrechen können jedoch durch moderne Fahrsicherheitsassistenten wie ESP abgemildert werden. So ausgerüstete Gespanne dürfen deswegen zwischen Kiel und Klagenfurt grenzüberschreitend mit Tempo 100 gefahren werden. Allerdings braucht es dafür einen Eintrag im Fahrzeugschein samt gut sichtbarem 100 km/h Aufkleber, um die Berechtigung zu signalisieren.
80, 90, 130: Selbst für erfahrene Pkw-Fahrer ist das Ziehen von Lasten eine Herausforderung, deshalb ist eine der dringendsten Empfehlungen: Diszipliniert fahren und das Tempolimit unbedingt einhalten! Bei Seitenwind die Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen. Und weil die meisten nur ein bis zweimal im Jahr mit dem Wohnwagen unterwegs sind: „Auf jeden Fall mit dem beladenen Caravan ein paar Runden drehen, bevor es richtig auf Tour geht. Dabei auch kurz über die Autobahn fahren, damit man wieder Gefühl fürs Gespann bekommt“, empfiehlt Puls.
Zurren, füllen, runterpacken: Einer der wichtigsten Aspekte für die sichere Ferienfuhre: richtig packen. Schwere Teile immer in Achsnähe platzieren und dafür sorgen, dass sie während der Fahrt auch dort bleiben. Möglichst die zulässige Stützlast von Anhänger oder Fahrzeug ausnutzen. Auch beachten: Weil die Hinterachse des Pkw die zusätzliche Stützlast des Anhängers verkraften muss, nicht die Hinterachse des Autos zusätzlich beladen. Schwere Gegenstände hier besser vor die Hinterachse, also dicht hinter die Rückbank, stellen. Den Kofferraum in einem solchen Fall besser nur mit leichten Gegenständen beladen.
Erkennen, Ruhe bewahren, reagieren: Dem Schlingern eines Anhängers geht ein Prozess voraus, den man durchaus frühzeitig wahrnehmen kann. Die Alarmlampen beim Fahrer sollten angehen, wenn der Wohnwagen leicht schlingert, obwohl es keine Lenkbewegungen gibt. Hier gilt Tempo reduzieren, dann beruhigt sich das Gespann wieder. Kritischer wird es, wenn sich die Schlingerimpulse vom Anhänger auf das Zugfahrzeug übertragen. Jetzt gilt: Lenkrad gerade halten und kurz, aber kräftig auf die Bremse treten.
Fahrtipps fürs Gebirge: früh in niedrigere Gänge schalten. Das schont den Motor und schützt ihn vor Überhitzung. Geht’s talwärts, Bremskraft des Motors in niedrigen Gängen nutzen. Das hält die Bremsen kühl und griffig. Bei großen Anhängern und Wohnwagen darauf achten, dass die Sicht nach hinten gewährleistet ist.
Sicht, Weitblick, Abstand: Fahrzeug und Anhänger haben einen deutlich längeren Bremsweg und eine geringere Beschleunigung. Das heißt als erstes: mit viel mehr Abstand unterwegs sein. Das gilt nach vorne genauso wie zur Seite: Beim Überholmanöver auch auf ausreichend Luft zum Nebenmann achten, sonst entsteht ein Sog und der Hänger gerät ins Schlingern. Auslöser dafür ist immer Seitenwind. In einem solchen Fall gilt ebenfalls: vom Gas gehen. www.tuev-sued.de

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