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Wechselkennzeichen: Viel Wind um wenig Ersparnis

20 März, 2012

Eins für zwei. Das gilt ab Sommer 2012. Dann werden auch in Deutschland Wechselkennzeichen eingeführt. Zwei Fahrzeuge können dann wechselweise im Straßenverkehr genutzt werden. Doch die deutsche Minimal-Lösung dürfte keinen Run auf die "W-Kennzeichen" auslösen. Grund: Die Autofahrer können kaum sparen:

Typische Kandidaten für ein Wechselkennzeichen sind alle Haushalte, die zwei oder drei Fahrzeuge angemeldet haben und diese nicht immer gleichzeitig nutzen. Mit dem W-Kennzeichen können zwei Autos das ganze Jahr über versichert sein. Das gilt aber nur, wenn die Fahrzeuge der gleichen Klasse entstammen. Etwa der Klasse M1, die alle Pkw und Wohnmobile umfasst. Soll etwa am Wochenende das Cabrio zum Einsatz kommen, wird einfach das Kfz Kennzeichen vom Familienkombi gewechselt. Lediglich ein kleines Schild mit unterschiedlichem Endzeichen verbleibt grundsätzlich immer an jedem Fahrzeug. Die Klasse L erfasst Krafträder, vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge und vierrädrige Kraftfahrzeuge bis 550 Kilo Leermasse, die Klasse O1 Anhänger bis 750 Kilo zulässiger Gesamtmasse.
Möglich sind somit die Kombination Pkw und Wohnmobil, natürlich zwei Pkw oder zwei Motorräder, oder zwei leichte Anhänger, nicht aber zwei Fahrzeuge unterschiedlicher Klassen, also beispielsweise ein Pkw und ein Motorrad. Die mit Wechselkennzeichen zugelassenen Fahrzeuge können zudem Oldtimer sein. Der Buchstabe H des Oldtimerkennzeichens ist dann auf dem fahrzeugbezogenen Teil des Wechselkennzeichens angebracht.
Finanziell dürfte der Vorteil hingegen für alle, die beispielsweise schon ein Saisonkennzeichen haben, kaum in die Waagschale fallen. Denn der Halter muss weiterhin für beide Fahrzeuge die Kfz Steuer bezahlen. Allein bei der Versicherungsprämie kann es Vorteile geben. "Es ist geplant, separate Verträge für die Fahrzeuge anzulegen und einen Nachlass für das Wechselkennzeichen zu geben", bestätigt Karsten Eichner von der R+V Versicherung aus Wiesbaden. Auch die Generali will pünktlich zum Start der Wechselkennzeichen seine "Nachlässe" vorstellen. Schon im April wird die HUK-Coburg Wechselkennzeichen im neuen Tarif berücksichtigen. In welcher Höhe die Rabatte ausfallen, bleibt abzuwarten. Immerhin: Das Risiko, einen Unfallschaden zu verursachen, ist bei zwei Fahrzeugen mit Wechselkennzeichen halb so groß, denn es darf ja immer nur ein Wagen im Straßenverkehr bewegt werden. Folglich dürfte die Versicherungsprämie für Haftpflichtschäden eigentlich nur die Hälfte der Jahresprämie beider Fahrzeuge ausmachen. In der Schweiz haben sich die Versicherer einen scharfen Wettbewerb um die Gunst der W-Kennzeichen-Kunden geliefert. "Versicherer wie Generali, Uniqua und Zürich versichern daher, dort einen der beiden Wagen in der Kfz-Haftpflicht- und der Insassenunfallversicherung kostenlos", wie der Versicherungsexperte Christoph Nützenadel von der Solution Providers Schweiz AG erläutert. In der Vollkasko verlangen viele Assekuranzen aus der Schweiz die Hälfte der Versicherungsprämie, für den Zweitwagen und in der Teilkasko sind es meist 66 Prozent.
Der höhere Preis für die Kaskoversicherung resultiert daher, dass eben beide Fahrzeuge ganzjährig im Straßenverkehr bewegt werden dürfen und das stehende Fahrzeug in jedem Fall Versicherungsschutz genießt. Die Ruheversicherung, die schon von den Saisonkennzeichen bekannt ist, schützt etwa vor Diebstahl oder Brandschäden, die ja auch ein abgestelltes Fahrzeug treffen können. Richtig teuer kann es werden, wenn beide Fahrzeuge gleichzeitig im Straßenverkehr bewegt werden. "Das ist eine Ordnungswidrigkeit und kostet Bußgeld", warnt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) aus Berlin. Wer dann noch ohne Wechselkennzeichen einen Unfall verursacht, muss damit rechnen, dass er in der Vollkaskoversicherung keine oder nur eine geringe Teilentschädigung erhält und für den Fremdschaden vom Autohaftpflichtversicherer zur Rückzahlung verpflichtet wird. "Ein Regress ist bis zu einer Höhe von 5 000 Euro möglich", erläutert Rüter de Escobar. Uwe Schmidt-Kasparek/mid usk/mid

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