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Autokosten 2012 - Öl-Multis und Autoversicherer drehen an der Preissschraube

07 Januar, 2012

Pkw-Fahrer sollten sich darauf einstellen, dass die Autokosten 2012 weiter steigen. In den vergangenen Jahren sind die Autokosten den allgemeinen Lebenshaltungskosten

immer vorausgeeilt, stellte jetzt der ACE Auto Club Europa nach Auswertung von Zahlen des Statistischen Bundesamtes fest. Demnach sind die Kosten für den Unterhalt von Pkw von 2005 bis 2010 um 41 Prozent stärker gestiegen als die Kosten der allgemeinen Lebenshaltung. Im gleichen Zeitraum sanken die Nettolöhne der Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt um 1,2 Prozent, zitierte der ACE aus Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Benzin teuer – Regierung untätig
Fast doppelt so hoch wie der Anstieg der allgemeinen Verbraucherkosten fiel die Preissteigerung bei Kraftstoffen aus. Im Jahr 2010 bezahlten Autofahrer durchschnittlich 16,1 Prozent mehr für Benzin und Öl als noch 5 Jahre zuvor. Die Preise für Super-Benzin stiegen im gesamten Zeitraum etwas schneller als die für Dieselkraftstoff. Der ACE warf der Bundesregierung vor, sie habe es bislang versäumt, auf den jüngsten Bericht des Bundeskartellamtes (Mai 2011) über die Behinderung des Preiswettbewerbs im Tankstellen-Sektor angemessen zu reagieren. „Die schwarz-gelbe Regierungskoalition lässt die Sache einfach treiben, sie fördert so den wirtschaftlichen Machtmissbrauch der Multis und schadet den Verbrauchern“, kritisierte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

Er erneuerte die Forderung seines Clubs nach einem Entflechtungsgesetz und einer den Wettbewerb fördernden Tankstellenverordnung wie sie Österreich eingeführt wurde. Dort dürfen die Kraftstoffpreise höchstens nur noch einmal pro Tag zur Mittagszeit angehoben werden. Autofahrer haben außerdem die Möglichkeit, mittels eines unabhängigen staatlichen Internetportals die Kraftstoffpreise aller Tankstellen zu vergleichen.

Unabhängig von den preistreibenden Oligopol-Strukturen auf dem deutschen Markt der Kraftstoffanbieter befürchtet der ACE zudem eine Preisexplosion in Folge von Ölknappheit, falls der Streit zwischen Iran und den USA weiter eskaliert. Bei einem kriegerischen Konflikt könnten möglicherweise keine Öltanker mehr die Straße von Hormus im Persischen Golf passieren können; sie gilt als weltweit wichtigste Ölhandelsroute.

Ölpreis auf Rekordniveau
Schon im vergangenen Jahr (2011) machte der Dollar-Preis für die Ölsorte Brent einen Sprung um 41 Prozent (vgl. 2010) und erreichte damit eine noch nie dagewesene Rekordmarke von im Schnitt 111 Dollar pro Barrel. Umgerechnet in europäische Währung erzielte der Ölpreis einen neuen Höchstwert von 80 Euro. Beim bisherigen Allzeithoch im Jahre 2008 kostet die Ölsorte Brent im Schnitt 99 Dollar beziehungsweise 66 Euro. Die Gefahr einer weiteren Verteuerung von Mineralölprodukten hierzulande sieht der ACE auch durch Spekulationen befeuert, die auf eine Schwächung des Euro abzielen.

Autoversicherung erhöht Beiträge
Besonders heftig haben Versicherer und Mineralölkonzerne an der Preisschraube gedreht. Die Kosten für die Kfz-Versicherung schossen zwischen 2005 und 2010 um 18,2 Prozent nach oben – obwohl die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 14,4 Prozent sank und die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten sogar um 32 Prozent abnahm, merkte der ACE an. Zwar habe die Gesamtzahl aller Unfälle im Vergleichszeitraum um 7 Prozent zugenommen, doch handele es sich bei fast neun von zehn Kollisionen um reine Sachschadensunfälle.

Fahrschulen: Preissprung statt Qualitätssprung
Auch die Kosten für Werkstattleistungen und Pflegemittel schnellten von 2005 bis 2010 über Gebühr in die Höhe. Mit einem Plus von 12,7 Prozent stiegen die Preise in diesem Bereich mehr als 50 Prozent stärker als die allgemeinen Lebenskosten. Teurer bezahlt werden muss auch der Führerschein. Die Kosten für Fahrschule und Führerscheingebühren stiegen zwischen 2005 und 2010 um mehr als 10 Prozent. Gemessen an der gleichbleibend hohen Quote nicht bestandener Fahrprüfungen (Theorie: 28,7 Prozent, Praxis: 25,7 Prozent) hat sich die Qualität der Ausbildung trotz der höheren Gebühren nicht verbessert, monierte der ACE.

Autobranche setzt auf Anschlussgeschäfte
Dass Autofahrer nicht endlos belastbar sind, zeigt die Preisentwicklung für neue und gebrauchte Autos. Neuwagen legten im Preis zwischen 2005 und 2010 nur um 6,7 Prozent zu und lagen damit unter der durchschnittlichen Teuerungsrate. Die Preise für Gebrauchtfahrzeuge kletterten sogar nur um 3,8 Prozent. Offenbar sind im Pkw-Segment höhere Preise nicht durchsetzbar. Der ACE vermutet allerdings, dass Rabattaktionen beim Neuwagenkauf über den Umweg höherer Werkstatt- und Wartungskosten wieder herein geholt werden. Der Club verweist in diesem Zusammenhang auf fragwürdige Servicepakete, die durch eine Kopplung mit mehrjährigen Garantieversprechen eine langfristige Kundenbindung zur Werkstatt erzielen sollen.

Steueranpassung vergleichsweise maßvoll
Geradezu moderat nimmt sich im Vergleich die Kostensteigerung für die Kfz Steuer aus. Mit einer Teuerung von 4,5 Prozent erweist sich der Staat ausnahmsweise nicht als schröpfende Instanz. Der ACE erinnert allerdings daran, dass die Pendlerpauschale mit einem Betrag von 30 Cent pro Entfernungs-Kilometer noch immer auf dem Stand von 2004 ist. “Für Millionen Menschen, die zu jeder Tageszeit auf den Wagen angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen, ist die derzeit gültige Pauschale nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte ACE-Sprecher Hillgärtner. Er forderte einen Systemwechsel, damit Geringverdiener im Vergleich zu anderen Einkommensbeziehern nicht weiter schlechter gestellt werden. Der ACE verlangt konkret, die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten für den Weg zur Arbeit so zu ändern, dass der Aufwand nicht mehr das zu versteuernde Einkommen reduziert, sondern über eine Zulage auch denen zugutekommt, die nur eine geringe Steuerschuld haben oder keine Steuern zahlen. ace-online.de

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