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ACE-Studie: Geländegängige Autos im Bundesländervergleich

03 Mai, 2010

Eine neue Studie des ACE Auto Club Europa zeigt, dass die Sympathien für die SUV & Co. Autos im Lande recht unterschiedlich verteilt sind: Süddeutsche fahren auf Allrad ab, im Norden und Osten übt man sich da eher in Zurückhaltung.

Aus Sicht asketisch veranlagter Automobilisten kommen die wegen ihres relativ hohen Kraftstoffverbrauchs umstrittenen Fortbewegungsmittel allzu bombastisch daher. Der Vorwurf lautet: Wer mit einem Geländefahrzeug großspurig auf Boulevards flaniert, der weicht vom ökologisch und moralisch vorgegebenen „Pfad der Tugend“ ab. Die automobile Wohlstandsfraktion hingegen ist überzeugt, dass der Vorwurf der vierradgetriebenen Gewissenlosigkeit völlig ins Leere läuft. SUV & Co seien vielmehr der Inbegriff komfortabel-sportlich-motorisierter Beweglichkeit und nur nebenbei taugten diese großspurigen Fahrzeuge vielleicht auch als gesellschaftliches Statussymbol.

Mit mehr als zwei Millionen allradgetriebener Pkw in Deutschland liegt deren Anteil am gesamten PKW-Bestand inzwischen im Schnitt bei rund 4,9 Prozent. Doch von Bundesland zu Bundesland ist die Zulassungsquote dieser Fahrzeugart höchst unterschiedlich ausgeprägt. Danach kurven in Bayern anteilmäßig die meisten PKW mit Allrad umher. Überhaupt konstatierte der ACE beim Allrad-Fahrzeugbestand ein auffälliges Südwest-Nordost-Gefälle. In dem vom ACE angestellten bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass besonders im bayerischen Alpenland eine starke Affinität zu allradgetriebenen Fahrzeugen besteht – knapp 23 Prozent der in Deutschland zugelassenen „Allradler“ sind südlich der Weißwurstlinie zugelassen. Während deren zahlenmäßiger Anteil in Deutschland 488 pro 10.000 zugelassene PKW beträgt, ist die entsprechende Quote in Bayern mit 679 pro 10.000 Pkw-Bestände um ein Vielfaches höher. Hinter Bayern auf den nächsten Plätzen folgen Baden-Württemberg und Hessen. Bayern weist übrigens einen doppelt so hohen Allradler-Bestand auf als Brandenburg oder Sachsen-Anhalt.

Bremen: Niedriger Bestand – hoher Zuwachs
Im Stadtstaat Bremen liegt die Allrad-PKW-Quote mit 346 Fahrzeugen pro 10.000 PKW deutlich unter dem Bundesdurchschnitt –vorletzter Platz- dafür schoss dort aber die Zahl der Neuzulassungen von Allrad-Fahrzeugen binnen eines Jahres (2008 / 2009) um mehr als 9 Prozent in die Höhe. Da im Bremer Flachland die Möglichkeiten, Off-Road zu fahren eher begrenzt sind, stellt sich für den ACE die Frage, ob wegen der in der Hansestadt massenhaft von tiefen Schlaglöchern durchsetzten Fahrbahnen viele Autokäufer sich neuerdings zur Anschaffung geländegängiger Fahrzeuge genötigt sehen. Aus dem gleichen Grund könnte es auch in Hamburg zu der auch dort überdurchschnittlich hohen Zahl von neuen Allrad-Zulassungen gekommen sein, witzelte der ACE.

Allradgetriebene Fahrzeuge erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Für das vergangene Jahr (2009) verzeichnete das Kraftfahrt Bundesamt laut ACE erstmals einen Bestand von mehr als zwei Millionen Personenwagen, die über „mehr als eine Achse” angetrieben wurden. War der Allradantrieb einst Geländefahrzeugen und in geringem Umfang Sportwagen vorbehalten, so ist der konstante oder zuschaltbare Antrieb aller Räder in den letzten Jahren auch in anderen Segmenten salonfähig geworden. Besonders auffallend ist die wachsende Zahl von Modellen der Sport Utility Vehicles-Klasse, so genannten SUV. Interessenten wurden bis vor wenigen Jahren mit auf zivil getrimmten Varianten geschlossener Geländewagen bedient. Heute gibt es kaum eine Automarke, die auf eine breite und zumeist hochkarätige Modellpalette verzichten würde.

Allrad mit plus an eigener Sicherheit
Das Argument der besseren Geländegängigkeit dürfte in Deutschland kaum eine Rolle beim Kaufentscheid spielen, ist doch der Einsatz abseits öffentlicher Straßen im Bundesgebiet weitgehend untersagt. Selbst auf Asphalt allerdings punkten allradgetriebene Fahrzeuge mit einer guten Traktion auch bei widrigen Straßen- und Wetterbedingungen. Als sinnvoll gilt ihr Einsatz beispielsweise in Bergregionen mit hoher Schneewahrscheinlichkeit.
Erkauft werden die Vorteile jedoch durch höhere Produktionskosten, die sich auf den Preis niederschlagen. Bedingt durch das Gewicht des zusätzlichen Antriebs muss zudem mit einem spürbar höheren Kraftstoffkonsum gegenüber mit nur einer Achse angetrieben Modellen gerechnet werden. In punkto Verkehrssicherheit bieten die oft martialisch anmutenden Geländewagen und SUV zwar in begrenztem Ausmaß Vorteile beim Schutz der eigenen Passagiere, sind jedoch auch als rollende Rammböcke verschrien, die im Fall einer Kollision mit einem kleineren Fahrzeug wenig Aufprallenergie aufnehmen.

Überdurchschnittlicher Beliebtheit erfreuen sich SUV und Geländewagen neben Bayern, Baden-Württemberg und Hessen auch in Rheinland-Pfalz (504), Hamburg (497) und Thüringen (491 Quote). Knapp unter dem bundesdeutschen Mittelwert finden sich das Saarland mit 446 Allrad-Fahrzeugen pro 10.000 PKW sowie Schleswig-Holstein (428). In Nordrhein-Westfalen gibt es zwar mit gut 367.000 4x4-PKW die zweithöchste Anzahl allradgetriebener PKW – gemessen am dortigen Gesamtbestand von 8,8 Millionen PKW liegt die Quote jedoch nur bei 416. Knapp dahinter findet sich Niedersachsen mit einem Anteil von 414 pro 10.000.

Im Nordosten der Republik kommt man offenbar mit zwei angetriebenen Rädern besser aus als im Süden: In Sachsen (393), Berlin (363) und Mecklenburg-Vorpommern (354) sind Allradfahrzeuge vergleichsweise unterrepräsentiert. Noch geringer ist deren Anteil in Bremen (346). Im Vergleich zu Spitzenreiter Bayern fahren in Brandenburg (337) und Sachsen-Anhalt (325) – auf den landesweiten PKW-Bestand berechnet – nur halb so viele Allradfahrzeuge auf den Straßen wie im Süden Deutschlands.
Überdurchschnittliche Zuwächse werden neben Bremen und Hamburg auch aus Nordrhein-Westfalen (plus 8,38 Prozent) und Schleswig-Holstein (plus 8,11Prozent) sowie Brandenburg (plus 7,72 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (7,68 Prozent) und Berlin (plus 7,42 Prozent) gemeldet. Die vier Spitzenreiter bei den Bestandszahlen brachten es laut ACE dagegen nur auf unterdurchschnittliche Zuwachsraten. Festgehalten werden muss jedoch, dass selbst Thüringen als Bundesland mit den geringsten Zuwächsen immer noch ein Plus an Allradfahrzeugen von 5,6 Prozent aufweist.
Knapp über zwei Millionen Personenwagen mit Allradantrieb waren laut Kraftfahrt Bundesamt am Stichtag 1.1.2009 in Deutschland zugelassen. Mehr als die Hälfte davon befindet sich auf den Straßen der Bundesländer Bayern (459.516), Nordrhein-Westfalen (367.097) und Baden-Württemberg (313.851).

Knapp jeder 20. PKW in Deutschland wird über mehr als eine Achse angetrieben, im bundesdeutschen Durchschnitt machen allradgetriebene PKW einen Anteil von 4,88 Prozent aus. Berechnet auf 10.000 zugelassene PKW pro Bundesland ergibt sich ein überproportional hoher Anteil von 4x4-Fahrzeugen in Bayern (679), gefolgt von Baden-Württemberg (548) und Hessen (554).
Festzustellen ist ein Südwest-Nordost-Gefälle, unter den sechs Bundesländern mit dem geringsten Anteil von Allradfahrzeugen befinden sich fünf ostdeutsche Länder.

Der Trend zu Allrad-Fahrzeugen ist weiterhin ungebrochen. In allen Bundesländern gibt es Zuwachsraten, gegenüber dem Jahr 2008 befinden sich bundesweit 7,26 Prozent mehr Allradler auf Deutschlands Straßen. Spitzenreiter bei den Zuwächsen sind die Stadtstaaten Bremen (+9,44 Prozent) und Hamburg (+8,86 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (+8,38 Prozent). Das im Vergleich geringste Plus wurde in Thüringen (+5,6 Prozent), Sachsen-Anhalt (+5,6 Prozent) und Hessen (+5,85 Prozent) verzeichnet.ACE Auto Club Europa, Schmidener Straße 227, 70374 Stuttgart www.ace-online.de

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