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Deutsche Autoindustrie: Autobauer trotzen Brexit und Dieselgate

18 Juli, 2016

Der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU und die Diesel-Abgasaffäre können die deutsche Autoindustrie allem Anschein nach nicht schocken:

Angesichts steigender Verkaufszahlen in Deutschland und Westeuropa gibt sich jetzt der Verband der Automobilindustrie (VDA) optimistisch. Zwar stehe man vor gewaltigen Herausforderungen, habe aber allen Grund zur Zuversicht.
Gleichzeitig richtet VDA-Präsident Matthias Wissmann einen dringenden Appell an die Politik: "Es muss alles getan werden, um den bislang ungehinderten Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen Großbritannien und den anderen EU-Ländern auch künftig zu ermöglichen. Freier Handel bringt Vorteile für beide Seiten." Die hohe Relevanz des britischen Marktes verdeutlichen zwei Zahlen: Mit 1,3 Millionen Verkäufen haben die deutschen Konzernmarken einen Marktanteil von 50 Prozent auf der Insel. 810.000 Neuwagen aus deutscher Fertigung wurden 2015 nach Großbritannien exportiert - mehr als in jedes andere Land. Und umgekehrt ist auch die EU für das Königreich der größte Absatzmarkt.
Durch die Diesel-Abgasaffäre hat die deutsche Autoindustrie selbstverschuldet durch das Ausnutzen von Grauzonen an Kredit bei den Kunden eingebüßt, so Matthias Wissmann. Damit künftig mehr Klarheit herrsche, müssten die gesetzlich vorgeschriebenen Typprüfbedingungen genauer definiert werden. Wichtig seien der Umstieg auf den WLTP-Prüfzyklus und den kommenden Straßentest RDE (Real Driving Emissions). Um in Zukunft Probleme zu vermeiden, sind die Autohersteller bereit, ihre Softwarekonzepte für die Abgasnachbehandlung den Genehmigungsbehörden zugänglich zu machen, sagt der VDA-Präsident.
Das Interesse der deutschen Verbraucher am Selbstzünder ist mit dem Rekordwert von 812.000 neu zugelassenen Diesel-Pkw im ersten Halbjahr 2016 ungebrochen. Und bis auf Weiteres seien Verbrenner auch unverzichtbar, wenngleich die deutschen Hersteller und Zulieferer pro Jahr über 30 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung von Alternativen steckten, primär in die E-Mobilität. Nun aber müsse ein entschlossener Aufbau der in Deutschland und Europa folgen.
Der Pkw-Weltmarkt entwickelt sich 2016 bislang sehr vielversprechend. Für Westeuropa erwartet der VDA ein Absatzplus von 5 Prozent auf 13,8 Millionen Pkw, wobei sich der deutsche Markt mit einem prognostizierten Wachstum um 3 Prozent auf 3,3 Millionen Fahrzeuge besser entwickle als erwartet. Im ersten Halbjahr seien die Neuzulassungen um 7 Prozent auf rund 1,73 Millionen Pkw gestiegen.
Der chinesische Pkw-Markt dürfte 2016 um 8 Prozent auf knapp 21,7 Millionen Autos zulegen. Der US-Markt wird Prognosen zufolge 2016 um 1 Prozent auf 17,5 Millionen Einheiten steigen. Heißt: Die drei großen Automärkte, die zusammen zwei Drittel des Weltmarktes ausmachen, bleiben auf Wachstumskurs. Trotz der schwächelnden Märkte in Russland (minus 5 Prozent), Brasilien (minus 15 Prozent) und Japan (minus 2 Prozent) werde der Weltmarkt um drei Prozent wachsen und erstmals die 80-Millionen-Marke (80,6 Millionen) überschreiten.
Und auch auf dem Nutzfahrzeugmarkt läuft es gut: Für das Gesamtjahr 2016 erwartet der VDA in Westeuropa für schwere Nutzfahrzeuge über 6 Tonnen ein Wachstum von 8 Prozent auf 280.000 Fahrzeuge. In Deutschland steht für das erste Halbjahr ein Plus von 8 Prozent auf 44.350 Lkw zu Buche. Im Gesamtjahr 2016 sollen in der Bundesrepublik 87.000 schwere Lkw (plus 4 Prozent) neu auf die Straße kommen. Mit einem kräftigen Wachstum sei auch bei den Transportern zu rechnen. Und so stehe die 66. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge (22. bis 29. September 2016) in Hannover unter guten Vorzeichen. Passend dazu das IAA-Motto: "Ideen sind unser Antrieb." mid/ts

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