Kia Carnival
 

Fahrzeugtestbericht Kia Carnival



Kia Carnival in Fahrt Große Pläne schmiedet KIA mit seinem Modell Karnival: Der koreanische Multivan wurde dem europäischen Markt angepasst, um in der Liga der etablierten Vans kräftig mitmischen zu können...

Design
Optisch kommt der neue Karnival ansprechend daher, kann sich jedoch im Design nicht wirklich abheben und wirkt deshalb eher unauffällig und langweilig. Mehr auf Europäisch getrimmt ist der Koreaner kürzer als sein Vorgänger, dafür aber höher und breiter. Moderne Klarglas-Leuchten im Spotdesign prägen die Front des Raumfahrzeugs maßgeblich. Klar strukturiert zeigen sich die Seitenflächen, wobei die zusammengefassten Griffe für die Vorder- und Schiebetüren den Eindruck einer verschmolzenen Einheit erwecken. Das Heck wird dominiert von einer großen Klappe und den hohen Rückleuchten, die mit speziellen Reflektoren ausgestattet sind, um die Fahrbahn noch besser auszuleuchten. Obwohl der Siebensitzer insgesamt eher massig und praktisch ausgelegt erscheint, verleihen ihm die Speichenlöcher der Räder einen Hauch von Sportlichkeit. Der asiatische Multivan ist in den Lackierungen schneeweiß, diamantsilber metallic, kristallblau metallic, indigoblau metallic, cocktailrot metallic und schwarz metallic erhältlich.

Innenraum
Im Innenraum besticht KIA durch ein extrem großzügiges Raumangebot. Mit zwei Plätzen vorne, drei Sitzen in der zweiten Reihe und zwei Sitzen in der dritten Reihe bietet das Vielzweckfahrzeug insgesamt sieben Personen Platz. Anders als in vielen anderen Vans, bei denen die Plätze in der hinteren Reihe eher bessere Notsitze als komfortabler Passagiersitz sind, haben selbst großgewachsene Erwachsene hier ausreichend Platz. Gut durchdacht ist im Interieur auch die Umnutzung des Raumes: Viele sinnvoll platzierte Ablagemöglichkeiten und die zu Tischchen umklappbaren Rücklehnen der zweiten und dritten Reihe sorgen für Komfort auf längeren Strecken. Praktisches Detail ist die Variabilität der Bestuhlung: Alle Sitze lassen sich einzeln verschieben, in der Neigung der Rückenlehnen verstellen, einklappen oder komplett herausnehmen. Der Ausbau der Sitze gestaltet sich jedoch recht mühevoll, da die Einzelsitze eher unhandlich und hakelig verankert sind. Mit der Entfernung der Sitze steigern sich auch die Transportqualitäten der vielfältigen Hyundai-Schwester: Passen bei voller Bestuhlung rund 241 Liter Fracht in das KIA-Heck, wächst das Fassungsvermögen auf diese Art auf satte 3050 Liter.
So praktisch und variabel sich der Karnival auf der einen Seite präsentiert, so enttäuschend ist andererseits das Design des Innenraums. Besonders der Tachoeinsatz könnte wesentlich hübscher gestaltet sein, auch wenn dies der Ablesefunktion keinen Nachteil bringt. Störend ist ebenso die Dominanz der Plastikelemente im Innenraum. Zwar versucht KIA, durch eine saubere Verarbeitung zu punkten, doch der fade Beigeschmack des preisgünstigen Materials bleibt und drückt die Freude über die funktionalen, übersichtlich angeordneten Bedienelemente. Ein Manko ist überdies, dass es keine Außentemperaturanzeige serienmäßig gibt, was heutzutage eigentlich schon zum Standart dazu gehört.

Antrieb & Fahrverhalten
KIA bietet den Sieben-Sitzer in zwei verschiedenen Motorisierungen an: Ein vierzylindriger Turbodiesel, der aus 2,9 Litern Hubraum 185 PS rausholt, und ein 189 PS starker 2,7 Liter Benziner mit variabler Ventilsteuerung. Unser Testfahrzeug, der Karnival 2,7 V6, zeichnet sich vor allem durch seinen laufruhigen Motor aus. Die 189 Pferdestärken unseres asiatischen Raumfahrzeugs zeigen sich völlig ausreichend und sind mit gut zwei Tonnen Leergewicht gut beschäftigt. Bei voller Beladung, d.h. dem zulässigen Gesamtgewicht von 2785 kg, sind die 139 kW jedoch absolut notwendig. Hier tauchen auch Mängel beim Fahrwerk auf: Sehr komfortabel und daher auch auf längeren Strecken angenehm, kommt das recht weiche Fahrwerk im bepackten Zustand ordentlich ins Schwitzen. Bereits im Leerzustand fällt die Wankbewegung der hohen Karosserie ins Auge, doch unter Beladung ist das Wanken noch wesentlich ausgeprägter. Dementsprechend erhöht sich auch der Bremsweg bei höheren Geschwindigkeiten erheblich. Auch im Ausweichparcours patzt der koreanische Multivan: Nur äußerst träge ändert er seine Richtung; besonders schnelle Spurwechsel werden durch die abrupt verhärtende Lenkung erschwert. Ein großer Schwachpunkt ist auch die 4-Stufen-Automatik: Ein Tritt auf das Gaspedal hat unsanfte Schaltvorgänge zur Folge, so dass die Wahl des Handschaltmodus nur dringend empfohlen werden kann. In unserem Test enttäuscht auch der Verbrauch des Frontantrieblers, dem laut Hersteller kombiniert 10,9 Liter an der Zapfsäule genügen. Bei normaler Fahrweise fordert unser KIA hingegen dann tatsächlich satte 17 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer.

Ausstattung
Pluspunkte kann der geräumige Van wieder in der Ausstattung sammeln. Elektrische Schiebetüren, elektrische Heckklappe, Lederausstattung und elektrische Sitze mit Memoryfunktion sind im Karnival ebenso serienmäßig enthalten wie ein KIA Clarion CD-/ MP3-Radio mit integriertem 6-fach Wechsler. Die Klimaautomatik lässt sich für Fahrer, Beifahrer und Fontpassagiere getrennt regulieren. Komfort vor allem im Winter bietet dem Fahrer ein Paket mit beheizbaren Außenspiegeln, beheizter Heckscheibe und partiell beheizbarer Frontscheibe mit Defroster-Funktion für den Wischergummi. Der variable Heckeinschlag erweitert den Lenkradius des Karnival, beispielsweise für die Benutzung von Schneeketten. Die Preise der Sonderausstattungen sind im Verhältnis recht moderat. So ist ein kleines Navigationssystem, das für gelegentliche Nutzung völlig ausreicht, schon gegen einen Aufpreis von nur 411 Euro erhältlich. Nichtsdestotrotz dürfte KIA mit seiner Preisliste so manchen Diesel-Fan verärgern, denn wer den heutzutage enorm wichtigen Russpartikelfilter haben möchte, muss einen Aufpreis zahlen.

Sicherheit
In Punkto Sicherheit setzt man bei KIA vor allen Dingen auf den Bereich der Airbags: Abschaltbarer Fahrerund Beifahrerairbag, Seitenairbags und Kopfairbags durchgehend von der ersten bis zur dritten Reihe sind serienmäßig enthalten. ESP, Dreipunktgurte auch für die dritte Sitzreihe und aktive Kopfstützen runden das Safety-Paket ab. Im Vergleich zu anderen Herstellern sind die integrierten Sicherheitsfeatures allerdings nicht auf dem neuesten Stand der Technik.

Fazit
Alles in allem wirkt der KIA Karnival in seiner neuesten Auflage veraltet: Hoher Verbrauch, recht müder Motor, schwammiges Fahrverhalten, altmodische Sitzplatzanordnung und billiges Plastik-Interieur vermiesen die Freude am Fahren. Lediglich clevere Raumnutzungsdetails und eine umfangreiche Serienausstattung sorgen für Pluspunkte. Dem Ruf des billigen Schnäppchen-Asiaten entspricht die neue Karnival-Generation ganz und gar nicht mehr. Zwar ist er von Haus aus gut bestückt, wo man bei anderen Herstellern tief in die Sonderausstattungstasche greifen muss, doch schon im Grundpreis bewegt sich der Sieben-Sitzer mittlerweile in gehobenen Sphären und kann mit den Preisen der etablierten Multivan-Riege locker mithalten. Der Neupreis unseres Testwagens beläuft sich zum Beispiel bereits auf rund 35.000 Euro. Im Preis-Leistungs-Verhältnis schafft es der KIA jedoch noch nicht, mit seinen offiziell erklärten Mitstreitern mitzuhalten. So bieten die renommierten Van-Hersteller Einstiegsmodelle im gleichen Preissegment, wobei deren Verarbeitung, Technik und Sicherheit im Moment noch in einer völlig anderen Liga spielen. So bietet Opel den Zafira als 2,0 Turbo EcoTec mit 200 PS bereits ab 29.500 Euro an; Ford schickt den Galaxy als 145 PS starken Duratec-Benziner mit rund 27.000 Euro Grundpreis ins Rennen, und den klassischen Touran Highline TSI mit 170 PS von Volkswagen gibt es für 31.000 Euro im Handel, wobei hier natürlich Abstriche in Punkto Raumangebot gemacht werden müssen.

Redakteur:Marc Härtel LeasingTime.de - Automarkt für Leasingfahrzeuge
(Bildquelle: Kia)



Ähnliche Themen