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Detroit Motor-Show 2007

15 Januar, 2007

Gastkommentar - Detroit Motor-Show 2007: Das Jahr f?ngt gut an
Es ist jedes Jahr das Gleiche: Die gef?hlte Befindlichkeit der amerikanischen Autoindustrie unterscheidet sich dramatisch von der Wirklichkeit. Aber es w?re auch ganz untypisch f?r das amerikanische Selbstbewusstsein, sich in Wehklagen zu ergehen. W?hrend die Deutschen klagen, ohne zu leiden, klagen Amerikaner nicht einmal, wenn sie leiden. Das ist das Positive an der diesmal geradezu fr?hlingshaften Januar-Messe in der Detroiter Cobo Hall, die ?brigens in diesem Jahr 100-j?hriges Jubil?um feierte.

Ab und zu tat sich auch Widerspr?chliches auf. Dass sich sogar die BMWGroup- Marke MINI der politisch nicht unbedingt korrekten Erkenntnis hingeben durfte, dass wildes Gasgeben Spa? machen kann, was in dem Spruch "Burn rubber, not Gas" m?ndete (verbrenn- Gummi, statt Benzin), ist nur ein Indiz daf?r, dass die Amerikaner sich die Freude am fahrdynamischen Erlebnis nicht nehmen lassen.

Selbst Toyota, mit der Hybridphilosophie als umweltbewusste Automarke unterwegs, muss sich auf dieses ungebrochene Selbstverst?ndnis einlassen. Mit der Vorstellung des gigantischen Tundra-Pick-ups mit einem 5,7-Liter- V8-Motor und 381 PS will die Marke nun auch in diesem Segment absahnen, das im Zeichen gestiegener Benzinpreise eigentlich im Abw?rtstrend gefangen ist. Dass Toyota in diesem Fahrzeug nicht einmal einen Diesel anbietet, wurde von den Medien als Fehler kritisiert.

Der Tundra wurde ?brigens in Kalifornien designt, in Michigan entwickelt, wird in Indiana und Texas gebaut, der Motor kommt aus einem Werk in Alabama, das Getriebe aus North Carolina. "Vielleicht ist das der Grund, warum der Tundra ein typisch amerikanischer Pick-up geworden ist, wahrscheinlich auch ein Gas-Guzzler", also Sprits?ufer, meinte ein Fernsehmoderator. Bemerkenswert an diesem Fahrzeug ist also vor allem, dass auch ein Unternehmen wie Toyota auf die Kundenw?nsche nach Power und gro?volumigen Motoren eingeht und eingehen muss, um den Marsch an die Spitze der weltgr??ten Autohersteller bald vollenden zu k?nnen. Fazit: Allein mit Hybridmodellen ist die Krone als gr??ter Hersteller nicht zu gewinnen.

Mercedes-Benz punktete nicht nur mit der eigentlich bekannten, aber, so deutlich ausgesprochen, neu erscheinenden Botschaft, eines der gr??ten Angebote an allradgetriebenen Fahrzeugen zu haben. Tats?chlich gaben sich von dieser Erkenntnis selbst altgediente Motorjournalisten ?berrascht. Und zu h?ren, dass der Vierradantrieb bei Mercedes-Benz mittlerweile 100 Jahre alt geworden ist, mag die Ingolst?dter Konkurrenz, die erst 25 Jahre Allradantrieb feiern konnte, zwar nicht verunsichern, aber doch bescheidener werden lassen.

Mercedes-Benz punktete dar?ber hinaus mit einer exzellenten Pressekonferenz, die auf einer Eisfl?che mit Schlittenhunden, Eiskunstlauf-?sthetik und einem gut gelaunten Dieter Zetsche die Botschaften knapp auf den Punkt brachte. Und die viert?rige Konzeptstudie einer offenen S-Klasse mit dem Namen "Ocean Drive" sollte keine Reverenz an den milden Winter sein, sondern unter Beweis stellen, dass die Marke mit dem Stern in Sachen Design das traditionelle Selbstverst?ndnis mit zukunftsf?higem Trend- Creating zu verbinden versteht. Die Studie generierte auf den Pressetagen h?chste Aufmerksamkeit. Sogar mehr als das neue Rolls-Royce-Cabrio, das im Gegensatz zum Ocean Drive eigentlich der Erwartung entspricht.

Dass General Motors das Elektrofahrzeug neu zu erfinden versucht, war zwar ebenso eine ?berraschung, aber so richtig ernst nehmen will die Idee niemand. Zumal da ziemlich klar ist, dass es ein solches Auto nie geben d?rfte.

Bei Volkswagen zeigte sich auf dem Messestand, dass sich wohl so richtig niemand drum gek?mmert hat, hier optisch zu gl?nzen. Dass VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nicht nach Detroit gekommen war, wurde mehr diskutiert als die f?r den US-Markt angek?ndigte BlueTec-Diesel-Initiative mit einem breiten Angebot guter Fahrzeuge.

Gelungener Auftritt auch von Audi mit einem sehr beeindruckenden Stand, auf der Pressekonferenz sang ?brigens Seal, und der neue Audi-Chef Stadler pr?sentierte nicht nur sehr gute Zahlen, sondern auch zwei Super-Highlights: den Q7 mit V12-Diesel und 500 PS und den Q7 3.0 TDI mit BlueTec f?r alle 50 US-Staaten ab 2008.

Dass alle deutschen Hersteller in den USA gegen den Trend wachsen, davon konnte VDA-Pr?sident Prof. Dr. Bernd Gottschalk berichten. Auch er signalisierte hohe Erwartungen an die deutsche Dieselinitiative in Nordamerika. Gottschalk w?rtlich: "Es gibt nur wenige Automobilindustrien, die diese Globalisierung erfolgreich bestreiten und zugleich mit der Exportweltmeisterschaft die Bindung an den Standort unterstreichen wie wir in Deutschland. Bisher hat es noch niemand geschafft, mit der Globalisierungskanone unseren heimischen
Standort fu?lahm zu schie?en."

Die Exporte aus Deutschland in die USA h?tten sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdreifacht. 2006 seien 560.000 Einheiten von Pkws und Light Trucks in die USA exportiert worden. Immer ist es Detroit mit der ersten gro?en Automesse des Jahres. Und immer ist es Detroit, wo der Optimismus Hoffnung macht. Auch f?r 2007 gilt in Sachen Autoindustrie: Das Jahr f?ngt gut an. (ar/PS/HU)

(Entnommen der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informnationsdienstes PS-Automobilreport)


Von Hans-U. Wiersch

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