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Auf höchstem Niveau: Motorradmuseum Crosspoint Timmelsjoch

09 Januar, 2017

Auf ca. 2000 Meter Höhe finden sie ein Motorradmuseum, wie es wohl kein zweites auf der Welt gibt. Das Crosspoint Museum bietet eine breite Ausstellungspalette von rund 230 Bikes und etwa 100 Herstellern.

Der exaltierte Alpenübergang von Österreich ins Passeiertal ist von Motorradfahrern viel befahren. Im Winter goutieren Skisportler das hochalpine Gelände um Sölden und Obergurgl mit größtem Genuss, die Region gehört zu den am meisten wertgeschätzten unter Wintersportlern. Was nur wenige wissen: Auf rund 2.010 Meter Höhe finden sie ein Motorradmuseum, wie es wohl kein zweites auf der Welt gibt.
Attila Scheiber hat sich mit der neuen Crosspoint-Station, die Skiresort Mautstation für die gebührenpflichtige Hochalpenstraße - deren Eigner er obendrein ist - und Restaurant mit Museum ist, einen Traum erfüllt und vielen Zweiradenthusiasten ebenso. Im Motorradmuseum Crosspoint finden Connaisseure eine breite Ausstellungspalette von rund 230 Bikes und etwa 100 Herstellern, mit Feingefühl zusammengestellt und einige Spezialitäten obendrein.
Der Schwerpunkt liegt auf Motorsport. Schließlich war Scheibers Vater ein erfolgreicher, österreichischer Motorradpilot. Wer als Bub noch den röhrenden Klang der MV-Agusta-Renner erlebt hat, die sich mit ihren viertaktenden Vierzylindern so wohltuend vom Gekreische der Yamaha- und Suzuki-Zweitakter abgrenzten, kommt ins Schwärmen. Phil Read und Giacomo Agostini fuhren in der Königsklasse um die Wette, die Fan-Gemeinde reiste dem Grand-Prix-Zirkus in großer Zahl hinterher, machte in Spa Franchorchamps (Belgien), Assen (Holland) oder Hockenheim Etappe.
Aber der Blick geht weiter zurück in die Geschichte der motorisierten Zweiräder. Das erste Serienmotorrad ist zu sehen, die Hildebrand& Wolfmüller aus dem Jahr 1894. Ein Nachbau zwar, aber auch bei ihr lässt der wassergekühlte Viertakt-Tandemmotor ahnen, warum das Unternehmen schon nach einem Jahr und zehn produzierten Maschinen Konkurs anmelden musste. Die technischen Defizite waren einfach zu groß.
Meilensteine wie die CB-Reihenvierzlinder von Honda, die mit einem Boxer motorisierte Gold Wing aus gleichem Hause, die sensationelle Herkules Wankel mit ihrem Ein- und die Suzuki CX mit einem Zweischeiben-Rotationskolbenmotor zählen zu den Exponaten. Auf sechs Zylinder hat es Honda im Lauf der Geschichte gebracht, die massige Maschine schränkte die Schräglagen mehr ein als die Zweizylinder-Boxer von BMW. Die sind in Gespannen aus den zwanziger und dreißiger Jahren vertreten, auch die Zündapp-KS-Elefanten treten mit Beiwagen an. Stolz ist Scheiber vor allem auf die Münch Mammut, jenes zu seiner Zeit stärkste Mega-Motorrad, das von einem NSU-Motor befeuert wurde und nach der gescheiterten Wiedergeburt Ende des vorigen Jahrhunderts nun wirklich als Relikt aus grauer Vorzeit gilt.
Der Rundgang durch das 3.000 Quadratmeter große Museum könnte kurzweiliger nicht sein und kann Stunden dauern, je nach dem, wie viel Aufmerksamkeit der Besucher den einzelnen Ausstellungstücken widmet. Zur Halbzeit trifft er auf eine ebenso liebevoll wie nostalgisch im Stil der sechziger Jahre eingerichtete Motorrad-Werkstatt. Das Michelin-Männchen, damals noch deutlich korpulenter als heute, prangt auf dem Emaille-Schild am Eck, die Zweitakt-Zapfsäule mit Messglas und Handpumpe erinnert jeden ehemals jugendlichen Moped-Fahrer an das damals wirklich schmutzige Geschäft des Tankens.
Die Vorgänger der mittlerweile neubeseelten Marke Indian sind in stattlicher Zahl vertreten, auch von Harley-Davidson ist Erstaunliches zu sehen. Kurz vor der ersten Mondlandung hat selbst die ur-amerikanische Marke ein Motorrad in Stromlinienform und Rahmenverkleidung gebaut. Von Easy-Rider keine Spur. Exotisches, wie der Hersteller Ural, Verblichenes, wie die deutsche Marke Horex und Verzauberndes, wie Royal-Enfield, Norton oder De Dion krönen die Motorradaustellung in den österreichischen Alpen.

Wer den Eintrittspreis von 10 Euro sparen will, zumal sich Attila Scheiber schon bei den Mautgebühren für seine auf 2.500 Meter hoch führende Timmelsjoch-Straße nicht gerade lumpen lässt und für Motorräder 9, für Autos gar 18 Euro verlangt, kann trotzdem im benachbarten Restaurant bei einem schmackhaften Imbiss in Nostaglie schwelgen. Dort sind die zartbesaiteteren Zweiräder ausgestellt, NSU Quickly, Piaggio Vespa oder die ebenfalls gebläsegekühlte Kreidler Florett stehen auf den Vitrinen, in denen wiederum Pokale, Lorbeer-Kränze und andere Reliquien aus vergangenen Jahren des Motorrad-Rennsports präsentiert werden.

Das Crosspoint Motorradmuseum ist die richtige Adresse, um den Skiurlaub zu toppen oder im kommenden Frühjahr einen Ausflug auf zwei oder mehr Rädern ins Hochalpine zu machen. Geöffnet ist das Museum im Sommer von 9 bis 19 Uhr, in den Wintermonaten schließt es die Pforten wegen der früh einbrechenden Dunkelheit bereits um 17 Uhr.
Michael Kirchberger/mid mid/mk

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